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Unkraut

Hey, good to see you again. Sit back, kick your shoes off and enjoy the story.

Ich zog. Nichts geschah. Ich zog erneut. Wieder nichts.

Verflixt! Diese verdammten Brennnesseln haben unglaublich lange Wurzeln. Ich starrte finster auf das große Unkraut, das die Rosen in Bedrängnis brachte. Ich hatte es vorher gar nicht bemerkt und nun war es übergroß und bösartig geworden, saß zornig im Rosenbeet und nahm das gesamte Sonnenlicht in Beschlag. Ich vermutete, dass die Samen von dem brachliegenden Feld neben meinem Haus herübergeweht worden waren. Ich zog die Handschuhe enger um meine Handgelenke. Es ist nahezu unmöglich, Brennnesseln herauszuziehen, wenn sie einmal im Boden Halt gefunden hatten; man muss sich vergewissern, dass man alle Wurzeln erwischt, sonst kommen sie wieder und das wusste ich. Ich beugte mich über den Eimer voll Werkzeug neben mir und suchte sorgfältig ein geeignetes Utensil für meine Attacke aus. Ich entschied mich für die scharfe Kelle und machte mich daran, die Basis dieser gemeinen Pflanze zu bearbeiten.

Ich grub einen Kreis um ihren Ansatz und passte auf, dass meine Haut nicht mit ihr in Berührung kam. Ich kannte die roten Schwellungen nur zu gut, die sie beim Aufeinandertreffen immer hinterließ. Laut der Aussage einer meiner Nachbarn soll ja der Kontakt mit den Härchen dieser Pflanze angeblich gesund sein, aber offen gesagt bleibe ich lieber bei dem Brennnessel-Tee, den ich im Supermarkt kaufe.  Das Graben war nicht so einfach, wie es hätte sein könnte, da die Brennnessel von verschiedenen Rosenbüschen mit Dornen, die eine Länge von kleinen Dolchen hatten, umgeben war. Ich blieb aber dennoch hartnäckig und schaffte es, einigermaßen tief um die Hauptwurzeln herumzugraben und einiges an Erde zu lockern.

Ich stand auf, griff erneut nach der Pflanze und zog. Nichts.

Hmm. Ich musste wohl noch tiefer graben. Entschlossen ging ich zum Gartenschuppen zurück und kam mit einem langen Stechspaten zurück; es war keine Zeit für Spaß und Spiel. Resolut grub ich um die Brennnessel herum, gelangte viel tiefer als zuvor und passte auf, den Rosen keinen Schaden zuzufügen. Die Menge an Wurzelwerk war erstaunlich. Es schien endlos zu sein.

Ich war zufrieden, dass ich nun reichlich tief gegraben hatte, schnappte die Pflanze und zog. Wieder nichts. Ich zog noch einmal und bog es dabei nach allen Seiten. Ich fühlte, dass sich der Halt ein wenig lockerte; ich gewann schön langsam die Oberhand. Für einen Moment ließ ich los und wischte mir die Handschuhe an meiner Hose ab. Ich musste Kraft sammeln und kurz rasten. Mein Gewicht würde mir die benötigte Hebelkraft geben. Erneut griff ich zu, stemmte meine Beine in den Boden, lehnte mich zurück und zog mit aller Kraft. Zuerst geschah nichts, dann ein kleines Zittern und plötzlich machte es ein lautes „Blop” und, wie ein Korken aus einer Flasche, kam die Brennnessel aus dem Boden geschossen und verfrachtete mich rücklings ins Gras.

So lag ich im Gras und blickte in den Himmel. Ich konnte den Schmutz spüren, der in mein Hemd und in meine Hose geregnet war und den Nesselausschlag, der sich auf meinem Gesicht und meinen Armen abzuzeichnen begann. Aber ich lächelte noch immer. Ich war siegreich. Ich hatte das Unkraut aus meinem Garten entfernt und jetzt konnten meine Rosen wieder in der Sonne aufblühen.

Als ich später in meinem Badezimmer vorm Spiegel stand und Heilsalbe auf den Ausschlag auf Gesicht und Armen schmierte, dachte ich über meinen lieblichen Garten und all die anderen Gärten auf dieser Welt nach.

Unser Leben ist wie ein Garten. Unsere Gedanken, wie Samen, wachsen in der fruchtbaren Erde unseres Verstandes. Die Pflanzen, die aus diesen Samen wachsen, sind die Erfahrungen unseres Lebens.

Wenn wir bewusst stärkende Gedanken pflanzen und sie regelmäßig gießen und düngen, wird unser Leben jene Blumen und Früchte hervorbringen, die wir brauchen, um unserer Ziele zu erreichen und unser Leben zu genießen.
Aber wenn wir unseren Garten sich selbst überlassen, werden nutzlose Samen, wie entmutigende Gedanken, Wurzeln schlagen und gedeihen, wenn wir nicht aufpassen. Sie werden die Pflanzen verdrängen, die wir brauchen, um unser Leben bewusst zu gestalten und unsere Ziele zu erreichen.
Und Unkraut, ganz wie negative Gedanken, können anfangs noch leicht entfernt werden, bevor sie sich einen starken Halt in der Erde geschaffen haben.

Wo Erde ist, werden Pflanzen wachsen; genauso werden da, wo Verstand ist, Gedanken gedeihen. Entweder sie werden von uns bestimmt, oder der Wind erledigt es.

Die Wahl liegt aber immer bei uns

Fröhliches Unkraut jäten,
Lisa

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11 comments to Unkraut

  • Wow, this is very powerful stuff. This is what I love about visiting your site – you always give me food for thought. I’m going to go plant some happy thoughts now!

    [Reply]

  • Thanks, Michelle. I find the metaphor of a garden extremely powerful. The concept that we can indeed define and design our experiences through the cultivation of our thoughts and mindset is very empowering. I think we often get lost in the events happening around us and forget (or have perhaps never learned) how much we can influence the outcome of these events merely through our interpretations and mindset. Naturally, working with horses can really offer you the chance to see events and the world in general through their eyes and gives you a whole new perspective. Having any new perspective immediately gives you a bit of distance from your own and also then the chance to examine it and see if it really serves your purposes or not.

    Here’s a nice post about changing mindsets: http://tracesuccess.wordpress.com/2009/09/15/changing-your-mindset/
    I haven’t read this blog very often, but maybe I’ll start giving it a read more often.

    Thanks for keeping up on my blog.

    [Reply]

  • Ketchem

    Guter Post. Positives Denken und Lösungsorientierung ist bestimmt die bessere Einstellung. Ich began schon vor einigen Jahren mich mit diesem Thema auseinander zu setzen und meine Einstellung zum Leben zu ändern. Manchmal gelingt es mir ganz gut und manchmal falle ich in alte Denkmuster wieder rein. Ich merke trotzdem einen großen Unterschied in meinem Leben – obwohl manches noch immer nicht so ist, wie ich es mir wünsche, bin ich viel glücklicher als vorher.

    [Reply]

  • [...] Illichmann presents Lisa Illichmann » The Weed posted at Lisa Illichmann, saying, “A story about gardens, weeds and [...]

  • [...] Lisa Illiachmann is a gardener wrestling with the removal of one stubborn plant. She uses that struggle to effectively make an empowering connection to the greater struggle we all face in our lives in The Weed. [...]

  • That must’ve been a heck of a weed! You provide some good food for thought here, and honestly, you seem to think like I do. I pick up thoughts and inspirations from the littlest things, (in this case, you fighting the weed) that seem to stick with me. Sometimes it’s these minor things I see or do that really remind me of what’s important…

    [Reply]

  • Yes, it’s often the little things that happen that seem to give us the most meaning. Perhaps it’s because the details are often more important than the big stuff. Or at least that’s the way I like to see it. Glad you got some things to think about. Thanks for stopping by.

    [Reply]

  • I’d been putting it off. The nettle(s) in our rose garden. There were two. Last time I looked they were an inch tall. I think that was yesterday. Today they were nearly as tall as I am, and far too close to the rose roots. I worried they’d be entangled and I’d tear out the rose roots too. When did I stop paying attention? How did so much time go by? I overwatered the weeds in the hope the roots would be so ‘open’ and full that they wouldn’t grip as tightly as they do when the soil is dry. It worked. No harm to the roses. What I wonder is this: what would be the equivalent of ‘overwatering’ thoughts/ideas/perceptions I need to root out? What do I need to do to make those roots free enough to let go? (I’m serious.)

    Obviously I loved this post, and thought you might have some ideas. :)

    [Reply]

  • @ Jane: Ahhh, I love reading your writing.

    Perhaps overwatering a weed to root it out is like analysing and questioning negative thoughts/perceptions/beliefs to disempower them, to weaken their hold and make it easier to remove them from them your mind. If you ask yourself enough questions about beliefs that hinder you, you will begin to see the flaws in their logic and this will weaken them by the roots and loosen their hold.
    True, you are giving them lots of thought, like giving a weed lots of water, which normally will strengthen a thought or belief, but this kind of analysis and questioning will break down their hold in your mind and allow them to be removed without harming the roses.

    Do you have a better one?

    [Reply]

  • I like this. No I don’t have a better one…I’ve been stumped on some issues and your post addressed my inner and outer weeds. (now there’s an image) I hoped you had some insight on what might help. I think you’re right. While it’s true that weeds will die if starved of water and attention, so will the rose next to it. So (thinking out loud) by flooding my inner weeds with just as much attention as I would my roses, I have a chance to really see them clearly and root them out. Hmmm. I like your perception! Thanks.

    [Reply]

  • Wow, this was a truly quality post. In theory I’d like to write like this too – taking time and actual effort to make a good article… but what can I say… I procrastinate alot and never seem to get something done.

    [Reply]

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