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Tea Time

Hey, good to see you again. Sit back, kick your shoes off and enjoy the story.

tomk32

tomk32

Während wir um die letzte Kurve schossen, peitschte der Wind meine Haare nach hinten und pfiff in meinen Ohren. Udo atmete schon etwas schwer, hatte aber im Tempo nicht nachgelassen. Er kannte diese Gegend. Ihm war klar, dass wir noch einige Hundert Meter vor uns hatten, bis wir das obere Ende des Hügels erreichen würden und er dachte nicht im Geringsten daran, jetzt stehenzubleiben. Ich gab ihm freien Lauf und genoss das Gefühl seiner kräftigen Schultern, wie sie mit jedem Sprung im Renngalopp, den wir durch den Schnee den Hügel hinaufzogen, nach oben und vorwärts griffen. Der süße Geruch von warmem Pferd und Tannenbäumen vermischte sich in meiner Nase und die Tränen aus meinen Augen liefen in geraden Strichen in mein Haar zurück und froren sofort. Ich schätzte unsere Geschwindigkeit ungefähr auf Mach 9, als wir oben ankamen. Hier oben fielen wir in einen gemächlichen Galopp, dann in einen Trab und blieben schließlich stehen und drehten uns um – gerade noch rechtzeitig, um meine Freundin Nicole dabei zuzusehen, wie sie den Hügel herauf galoppierte. Niklas war nicht allzu weit hinter ihr zurückgeblieben und bellte und hechelte nun heftig. „Noch mal! Noch mal!“, schien er zu rufen.

Aber es war kalt und es wurde bereits dunkel, daher beschlossen Nicole und ich, zum Stall zurückzugehen, die Pferde zu füttern und Tee zu trinken. Wir konnten im Clubraum sitzen und uns aufwärmen, während sie ihr Abendessen verspeisten. Eine heiße Tasse Tee und ein funktionierender Ofen waren der beste Weg, den ich kannte, um einen winterlichen Ausritt in den Wald zu beenden.

Wir sattelten die Pferde rasch ab, füllten die Eimer mit verschiedenen Zutaten, Ergänzungen, warmem Wasser (es war kalt da draußen), ein paar Äpfeln und Karotten (wegen der Vitamine) und brachten das Futter zu den wartenden Pferden hinaus. Und während Nicole den Putzplatz sauber fegte, ging ich in den Clubraum, um den Ofen anzuwerfen und Tee zu machen. Ich durchsuchte ein paar Schränke und fand Cranberry-Tee und die letzten beiden sauberen Tassen. Die eine war neu und glänzend, hatte einen Smiley und dumme Sprüchen darauf; die andere war eine typische Stalltasse, abgesplittert und fleckig. Etwas, das jemand schon vor Jahren aus seiner eigenen Küche ausgemustert hatte, aber noch einigermaßen intakt und brauchbar war. Ich goss den Tee in die Tassen, stellte sie auf den Tisch und ging nach draußen, um ein Taschentuch zu holen.

Als ich zurückkam, saß Nicole bereits mit einer dampfenden Tasse Tee in ihren Händen vor dem Ofen. „Ich habe dir den guten Tee gelassen“, sagte sie großzügig. Ich sah über den Tisch und bemerkte die glänzende Smiley-Tasse, die alleine vor sich hindampfte. „Was?“, fragte ich. Ich war mir nicht ganz sicher, was sie meinte. „Ich habe dir den besseren Tee übriggelassen“, wiederholte sie. „Ich hab’ den schlechteren Tee genommen und dir den besseren gelassen.“ Sie zeigte mir die alte, fleckige Tasse in ihren Händen.

„Aber es ist doch der gleiche Tee“, sagte ich. „Es ist beides Mal Cranberry-Tee. Ich habe beide Tassen aus derselben Kanne befüllt.“

„Ich weiß. Aber die eine Tasse ist netter.“

Ist das nicht blöd – zu denken, dass der eine Tee besser ist als der andere, nur weil die Tasse netter ist? Die Tasse hat nichts mit dem Tee darin zu tun. Eine eigenartige Sache zum denken.

Oder?

Vielleicht denken das jetzt viele von uns. Wäre das Leben ein Tee, so wären Geld, Häuser, Autos und ähnliches Zeug wie Tassen. Diese Dinge, genauso wie Tassen, umgeben nur unser Leben, sie definieren es nicht. Und die Qualität unseres Lebens hat nur sehr wenig damit zu tun, in welcher Tasse es ist.

Wenn wir uns nur auf die Tasse konzentrieren, gehen wir das Risiko ein, den Tee nicht zu genießen. Zugegeben, der Anblick einer neuen lustigen Smiley-Tasse kann toll sein, aber alleine ist sie leer. Es ist der Tee, der wärmt, beruhigt und erfreut.

Ihr Leben und Ihren Tee zu genießen bedeutet nicht, dass Ihre Tasse neu und perfekt sein muss. Eine alte fleckige kann genauso ihres dazu beitragen. Also, schenken Sie nicht der Tasse Ihre ganze Aufmerksamkeit, sondern lassen Sie die Aromen sich ausbreiten.

Fröhliche Teezeit,
Lisa

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12 comments to Tea Time

  • Lisa, you are on a roll, this is another great story to illustrate your point.
    Hmm, it is all about the tea indeed, things in life are just cladding and how little do we know it.
    What I see it that people here make big houses and leave little room for a garden these days.
    Such a shame as everything grows so abundantly around here and yet all you have are concrete suburbs because of the bigger good tea cups.
    The irony that at the moment I too live in a big tea cup however there is a huge garden around it, thank goodness.
    Wilma Ham´s last blog ..Learning to observe my Little Voice, my ego. My ComLuv Profile

    [Reply]

    Lisa Reply:

    Wilma, I really see this a lot. It seems that we are so very preoccupied with the trappings and the claddings that we forget to look at the insides. We forget that life is about enjoying – but not enjoying the stuff, instead about enjoying the moments, the experiences, the relationships and such. These experiences are formed by our values and beliefs – I suppose those are mixed in the tea leaves, just to give the tea a really rich flavor.
    The big houses are but shells. There’s nothing bad about them, per se, but getting so involved in owning them and keeping them slows us down and deadens our taste buds. It really does life no justice to focus on these things. When we breathe our last breaths, we most certainly won’t think back on how lovely the sitting room was – and if we do, then what a waste! I want to think back on all the fun I had, the people I knew, the conversations we had and all the lovely moments in life I experienced. I want to taste, form and enjoy my values, my beliefs, my relationships and my experiences. These things make up my tea. And I’d like to think of how good it was when I draw my final breath.

    [Reply]

  • Wilma’s right – people these days are too caught up in the trappings to notice what really matters. I try to live my life without the trappings, but sometimes it’s easy to fall into that mind set.
    Michelle´s last blog ..Back to Our Regularly Scheduled Programming My ComLuv Profile

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    Lisa Reply:

    That’s true, Michelle. Many people are caught up in their mugs. I agree, it’s very easy to fall into this trap – you easily accept the value systems of society, as you hear, read and see it often enough. This is also why it is important to invest time and energy into the development of yourself. It’s hard to follow your own values if you don’t know what they are.

    [Reply]

  • I’ve been in a tea phase myself. It seems a little less frenetic on my heart …
    robert v sobczak´s last blog .. My ComLuv Profile

    [Reply]

    Lisa Reply:

    Hello Robert,
    I think we all have been in tea phases and in mug phases. The tea phases are not just less frenetic, they’re also generally more satisfying (at least for me that is).
    Thanks for commenting.

    [Reply]

  • Good post… I’m always on the lookout for good blogs.

    [Reply]

    Lisa Reply:

    Thanks!

    [Reply]

  • I confess to being a sucker for a pretty package, but at heart, I really only want the tea. And there is something warm and inviting about the old, used mug…
    Jane´s last blog ..Chocolate Crisis #3,287 My ComLuv Profile

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    Lisa Reply:

    Isn’t there though? I love old mugs and old sweaters. New and shiny is fun sometimes too, but there is a certain comfort in the unpretentious and, well, old. :-)

    [Reply]

  • Nice point! New mugs are tempting, though old mugs are more intimate. Regardless the mug, tea is the essence. Let’s try to make it better… Keep writing!

    [Reply]

  • G. Edwards

    I get what you are saying; but I think that you are contradicting a later post that you wrote, in which you were agonizing over what to wear to a presentation. In that post, you wanted to give the “right” impression to a client; and contemplated what to wear to the interview that would send the signal that you were up to the job.

    By your own admission, obviously, the metaphorical tea cup matters at least some of the time.

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