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Der Berg und Ich

Hey, good to see you again. Sit back, kick your shoes off and enjoy the story.

Der Nachmittag war trocken und sonnig und die Blätter auf den Bäumen begannen langsam, ihre goldenden Herbstfarben anzunehmen. Eine warme Brise tanzte um mich, spielte mit meinem Haar und zog an meinem T-Shirt. Sie hinterließ einen kühlen Nachgeschmack auf meiner Haut; der Sommer neigte sich dem Ende zu.

Ich löste meinen rechten Fuß, blieb stehen und nahm meine Sonnenbrille ab; ich wollte sehen, was da vor mir lag.

Ich befand mich in der Mitte einer Mountainbike-Strecke, die sich in Serpentinen einen kleinen Berg hinaufschlängelte und am Gipfel in einer atemberaubenden Aussicht endete. Ich hatte meinen Fotoapparat und eine kleine Jause in meinem Rucksack dabei und wollte diese auf einer Bank, die ich dort ganz oben stehend noch in Erinnerung hatte, genießen und einige Fotos machen, um bei meinen Freunden damit anzugeben, wie athletisch ich sei. Ich wusste, dass die Aussicht an dem Tag herrlich sein würde, da die Luft trocken und klar war und die Blätter bunt. Ich freute mich auch auf meine Jause (Bananenbrot mit Walnüssen), aber ich wusste auch, dass ich erst mal oben ankommen musste und wollte mal schauen genau wo ich war.

Ich drehte mich um und blickte zurück.
Bis jetzt sah es trügerisch leicht aus; eine nicht allzu schwere Steigung mit ein paar sorglosen Kurven. Die meisten von ihnen sind schattig, kühl und grün gewesen, und die dicht gepackte Erde knirschte zustimmend unter meinen Reifen. Ein kleiner Bach, der entlang des Weges rauschte, hatte mich ein langes Stück begleitet und mit Geräuschen frischen Wassers aufgeheitert. Der Bach hatte sich aber bald vom Weg verabschiedet, um sich, so dachte ich, nach wichtigeren Dingen umzusehen, anstatt eine einsame Moutainbikerin anzutreiben. Ich hatte also meinen Weg allein fortgesetzt, dichtes Gestrüpp links und rechts, und hatte die Stille des Waldes genossen, die nur durch mein Atmen, das Geräusch der Reifen und hie und da von einem wachsamen Vogel, der die anderen vor meiner Anwesenheit warnte, unterbrochen wurde. Bis jetzt war die Fahrt nicht wirklich anstrengend gewesen und ich fühlte mich ziemlich gut.

Ich drehte mich um und blickte nach vorne.
Ich konnte sehen, dass der Wald nun lichter und der Rest der Strecke steiler wurde. Sie kämpfte sich ihren Weg den Berg hinauf und verschwendete keine Zeit, um ganz nach oben zu gelangen; die lang gezogenen Kurven und die angenehme Steigung waren dahin. Der Gipfel war das Ziel und es gab keinen anderen Grund den Rest der Strecke zu überwinden, als dieses zu erreichen. Mir war sofort klar, dass es härter werden würde, als ich gedacht hatte.

Ich schüttelte beide Beine aus, knackte mit meinen Fingerknöcheln und radelte los; meine Augen auf den Gipfel gerichtet.

Ohne den Schatten der Bäume stieg die Temperatur deutlich an. Nach einer Weile spürte ich, wie sich Schweißperlen zwischen meinen Schulterblättern sammelten und meinen Rücken hinunterliefen. Meine Oberlippe glänzte. Der Schotter des Weges wurde lockerer; jammerte und verschob sich unter meinen Reifen, während ich darüberfuhr. Das machte es schwieriger, um die Wendungen zu schaffen, die jetzt viel schärfer geworden waren. Ich knirschte mit den Zähnen, schaltete in einen niedrigeren Gang und machte weiter. Ich wollte oder konnte die Größe der Aufgabe nicht mehr ertragen, daher zog ich mir die Baseballkappe tiefer ins Gesicht, um die Sicht auf den Gipfel zu blockieren. Ich konzentrierte mich nur noch auf das braune Stück Weg direkt vor mir, das noch sichtbar war, und strampelte voran.

Die Sonne schien unbekümmert weiter und die Brise hatte aufgehört, um mich vorbeifahren zu sehen und mein Rucksack sank tiefer in den Schweiß meines Rückens ein.

Ich setzte die Bergfahrt fort. Meine Beine fingen an, um jeden erreichten Meter zu kämpfen; meine Finger verkrampften sich auf den Griffen. Ich senkte meinen Kopf und konzentrierte mich auf das Weiß meiner Knöchel und den Boden direkt vor meinen Reifen. Ich konnte kleine Steine und Kiesel sehen, die wahrscheinlich schon vor mir von anderen Radfahrern und rücksichtslosen Wanderern unzählige Male herumgeworfen worden waren, die versessen den Gipfel stürmten. Die Steine lagen still da und warteten mein Vorüberfahren ab.

Ich kämpfte weiter und fragte mich, wie weit es wohl noch bis ganz nach oben sein würde, aber ich wagte es nicht, nachzusehen; ich fürchtete Schlimmes. Ich konzentrierte mich lediglich auf das Fleckchen Erde vor mir und auf die Wörter ‚links, rechts, links, rechts’, die in meinem Kopf rotierten und mir halfen, gegen das Gewicht der Müdigkeit stark zu bleiben, die mir zuwinkte, mich rief, mir einredete, anzuhalten, auszuruhen und diese großartigen Bilder und das Bananenbrot, welches zwischen meine nassen Schultern geschmiegt lag, zu vergessen.

‚Nein!’, schnaufte ich.

Ich trat kräftig in die Pedale, weigerte mich, trotz des Brennens in meinen Beinen und meiner Lunge, aufzugeben. Ich hatte keine Ahnung, wie weit ich gefahren war oder wie viel noch vor mir lag. Links, rechts, links, rechts. Ich hasste diesen Sport. Schweiß lief mir in die Augen und trübte den Blick auf die Steine und den Schmutz; tropfte von meinem Kinn. Weiter, weiter, weiter! Jeder Meter war eine Qual, meine Augen fixierten den Boden.

Und plötzlich, Erleichterung.

Da gab es kein aufwärts mehr. Ich hatte den Gipfel erreicht. Ich streckte meinen rechten Fuß aus, blieb stehen und stieg vom Fahrrad. Da stand ich nun; schweißüberströmt und mit zitternden Beinen. Ich hatte es geschafft. Ich war da. Der Gipfel hatte gerufen und ich hatte geantwortet; der Berg gehörte mir. Ich stand da, mein Puls kehrte langsam wieder zum Normalschlag zurück, und überblickte das Tal vor mir. Die Aussicht von hier oben war wirklich überwältigend.

Als ich dasaß und an meinem feuchten Bananenbrot herumkaute, bemerkte ich, dass es im Leben manchmal so ist. Manchmal werden Herausforderungen so riesig und überwältigend, dass man mit ihrer Ganzheit nicht mehr zurechtkommt. Also zieht man seine Kappe tiefer ins Gesicht und konzentriert sich nur noch auf einen kleinen Teil des Weges und man lässt den Gipfel völlig außer Acht. Aber dennoch weiß man ganz genau, dass er es ist, den man anstrebt, weil man eben dorthin will. Deswegen ist man da. Und wenn es noch schwieriger wird, senkt man seinen Blick erneut, und man konzentriert sich nur noch auf den Meter direkt vor einem. Und man macht weiter, akzeptiert jeden Meter, der da kommt, und man denkt nicht an die zurückgelegte Strecke oder den Weg, der noch vor einem liegt. Aber man weiß, dass das Ziel genau da liegt, wohin man strebt, weil man eben dafür da ist.

Und wenn Sie weitermachen, erreichen Sie Ihren Gipfel. Egal, wie steil der Weg oder wie hoch der Berg ist. Weil Sie dafür da sind.

Ich lächelte stolz in mich hinein und aß mein Bananenbrot auf. Es war an der Zeit Fotos zu machen, damit ich ein wenig angeben konnte.

Fröhliches Radeln,
Lisa

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