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Alleinstehende Gärten

Hey, good to see you again. Sit back, kick your shoes off and enjoy the story.

Als ich ein kleines Mädchen war, fragte mich unsere Nachbarin, ob ich auf ihren Garten aufpassen könnte, während sie auf Urlaub ist. Sie sagte, dass sie mir für zwei Wochen aufpassen zehn Dollar geben möchte.

Zehn Dollar! Wow, ich war baff. Das war viel Geld für ein kleines Mädchen.

Ich stimmte dem Vorschlag natürlich sofort zu und begann mir die tollsten Dinge vorzustellen, die ich mir mit all dem Geld kaufen wollte. Ich sage Ihnen, das war ein unerwarteter Gewinn. Meine Überlegungen kreisten aber nicht mehr nur um die schönen Dinge, die ich mir nun leisten könnte. Ich beschloss, ein eigenes Geschäft zu gründen, um auf alleinstehende Gärten während der Sommerzeit aufzupassen. Ich würde reich sein! Das Geld würde nur so beim Fenster hereinflattern.

Der große Tag kam, an dem meine Nachbarin abreisen sollte, dem Sonnenuntergang entgegen. Ich winkte ihr fröhlich vom Straßenrand aus und blieb mit der Vorahnung nahenden Wohlstands zurück. Als sie weg war, flitzte ich sofort hinter ihr Haus, um mir die Sache genauer anzusehen.

Also, da hatten wir Rosen, Geranien und etwas Efeu. Die bräuchten bestimmt einen Beschnitt. Dann wuchsen dort noch zwei Bäume und einige Sträucher. Die Blätter könnte man auch noch zusammenrechen. Nun denn, ein gutes Stück Rasen, ‚aber Vorsicht’, ermahnte ich mich sogleich, ‚bedenke das Unkraut!’ Weiters mussten noch eine Veranda und ein langer Weg gefegt werden. Ich nahm alles auf, inspizierte meinen neuen Arbeitsplatz, die Szene eines bescheidenen Anfangs. Ich wusste, wo alles zu finden war und dass ich dem Job gewachsen war.

Zwei Wochen lang schwebte ich über den Grünbereich. Ich trimmte Bäume und rechte das Laub, harkte und fegte, jätete und rupfte. Jeden Rechen, Besen, Zwicker und jede Schere brachte ich nach Gebrauch an seinen richtigen Platz zurück. Ich arbeitete gewissenhaft und akribisch, war sozusagen fix und fertig.

Als sich die Rückkehr meiner Nachbarin ankündigte, kontrollierte ich ein letztes Mal den Garten. Alles war sauber, ordentlich und aufgeräumt, gerade so, wie sie es gerne hatte. Alles war getrimmt, gefegt, gerecht und gestutzt.  Es gab nichts, das nicht an seinem rechtmäßigen Platz war – nicht mal ein winziges Blättchen.

Aber irgend etwas schien nicht zu stimmen. Ich konnte aber nicht ausmachen, was es war. Egal, ich hatte mir meine Finger blutig gearbeitet und das war das Einzige, was zählte. Ich habe viel geschafft.

Als meine Nachbarin eintraf, strahlte ich ihr vom Gehsteig aus entgegen. „Ich war wirklich fleißig”, erzählte ich ausschweifend. „Ich fegte, rechte, trimmte, schnitt und stutzte.” Sie lächelte und ging hinters Haus, um alles zu begutachten. Hätte sie sich nicht am Gartentor festgehalten, wäre sie ohnmächtig zu Boden gefallen. „AAARRRRGH! Du hast zwei Wochen damit verbracht, zu fegen, rechen, schneiden und weiß der Kuckuck was noch, aber du hast nicht ein einziges mal die Pflanzen gegossen!”

Ich ließ meinen Blick über den Garten schweifen und erkannte das Problem. Alles sah braun und verwelkt aus. Ich war fleißig wie eine Biene, aber während der ganzen Zeit hatte ich auf das Wässern vergessen.

Als ich in ihr Gesicht blickte, wusste ich, dass ich sie nicht als Referenz für mein noch junges Unternehmen heranziehen konnte.

So ergab es sich, dass ich weder diesen, noch einen der darauffolgenden Sommer ein Garten-Unternehmen gründete. An jenem Tag habe ich dennoch etwas erwirtschaftet:

 „Erfolg” meint nicht das richtige Erledigen der Dinge, sondern das Erledigen der richtigen Dinge.

Es bringt Ihnen nicht weiter, wenn Sie mit viel Fleiß und Engagement Aufgaben lösen, die nicht die richtigen sind. Und interessanterweise ist es wesentlich leichter, die richtigen Dinge anzupacken und gut zu bewältigen, als es je mit den falschen funktionieren könnte. Ich spreche hier aus Erfahrung.

Also, wenn Sie damit beschäftigt sind, sich auf das richtige Erledigen von Aufgaben zu konzentrieren und der Erfolg dennoch auf sich warten lässt, dann konzentrieren Sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf das richtige Erledigen der falschen Aufgaben und eben nicht auf das der richtigen. Richtig?!

Fröhliches Gießen,
Lisa

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